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Entstehung und älteste Geschichte der Kirche

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

 

Die Kirche, welche östlich vom Dorf am Abhang des Wisenberges steht, war vor der Revolution dem Apostel Petrus geweiht, und erhielt daher den Namen St. Peterskirche. Wenn sie auch nicht gar so schön ist, als die Peterskirche in Rom, so ist sie doch viel älter. Zwar ist ihre Gründungszeit unbekannt, aber wahrscheinlich im elften Jahrhundert zu suchen, da schon vom Jahr 1236 der Name des damaligen Geistlichen bekannt ist. Im Chor der Kirche sind zwei Glasgemälde mit den Jahreszahlen 1401 und 1402. Zwei Frauen hallen je ein Wappenschild, eines mit einem Löwen, das andere mit zwei Einhörnern, und der Aufschrift: Hans von ? (zerbrochen) und Anna von Randeck.

Das neben der Kirche stehende Pfarrhaus wurde im Jahre 1491 erbaut. Es war früher im Dorfe, als aber die Basler und ihre Eidgenossen (1445) den Stein zu Rheinfelden eroberten, wurde das Dorf Läufelfingen von den sich zurückziehenden Österreichern vollständig niedergebrannt.

Was die Erbauer der Kirche betrifft, waren es kaum andere als die Grafen von Homburg, wofür namentlich die Nähe des Schlosses und das Alter der Kirche. Über den Bau selbst, und die Wahl des Platzes, lebt im Munde des Volkes folgende Sage:

Als nämlich beschlossen war, dass eine Kirche für die Dorfleute von Läufelfingen gebaut werden sollte, und der Bauplatz im sogenannten Eisädel, früher Meiensädel (bei der heutigen Eisenbahnstation), bestimmt war, wurde zum Schrecken der Gemeinde von unsichtbarer gewaltiger Hand jede Nacht das Mauerwerk, welches den Tag über die emsigen Dorfbewohner ausgeführt hatten, wieder zerstört, und man fand die für den h. Bau gezimmerten Baumstämme jedes Mal auf dem Hügel, wo jetzt die Kirche steht. Als nun noch gar einmal zur Nachtzeit, nachdem die fromme Gemeinde unter beharrlichem Gebete des Himmels Schuld erfleht hatte, dass ihr die Baustelle zu ihrem Gotteshaus noch deutlicher bezeichnet werden möge, das Bild der glorwürdigen Jungfrau Maria zwischen zwei Bäumen sich niederlassend, von Jedermann gesehen wurde und der gläubige Geist des Volkes an diesem Wunder die volle Überzeugung erhielt, dass dieser, und kein anderer Platz, der Gottheit für den neuen Kirchanbau wohlgefällig sei, so wurde das geweihte Bauwerk jetzt nur um so tätiger und eifriger betrieben, finde mal jedermann sich beredete, bei solchen Zeichen und Wundern seine Seufzer und Gebete in dieser neuen Kirche dem Himmel näher, als an manchen andern Orten bringen zu können.

Der Glaube an die Heiligkeit dieses Ortes brachte noch in den letzten Decenien des vorigen Jahrhunderts manchen Beter aus der solothurnischen Nachbarschaft hierher, als das Bild der Heiligen Jungfrau in einem grossen, schönen Glasgemälde in einem der gotischen Chorfenster noch vorhanden war, das, einer Überlieferung zufolge, im Jahre 1784 nach Basel gekommen sei.

Noch wird im Pfarrarchiv die Abschrift des Jahreszeiten-Buchs und die öffentlichen Gebete, die damals für Kaiser und Bischöfe in der Kirche gehalten wurden, aufbewahrt.

Von den 185 Jahreszeiten (Seelenmessen), die ein jeweiliger Priester vor der Reformation jährlich darin feiern musste, waren einige reich dotiert. Eine solche stiftete sich unter anderem Anna, Gräfin von Frohburg und Adelheit, Herzogin von?

Der Leutpriester Rudolf Brödlin hat sich besonders um diese Kirche verdient gemacht. Unter ihm wurde die Verordnung errichtet, wie die Kirche und das Kirchengut sollte Verwaltet werden. Sie beginnt also:

„In Gottes Namen Amen.“

Als man zahlt von Christi 1478 Johr, ist eine Ordnung angesehen und gemacht zu Lob Gott und siner wirdigen Mutter der Jungfrowen Maria, auch den himmelsfürsten St. Peter und Paul, Patronen in dem Gotteshus zu Leifelfingen, wie die Nutze desselb Gotteshus, Zehnten, Zins, Jahrzit und andern Zufall ingezogen, gehalten und gebrucht sollen weden, dadurch es möge zunemen in Geziers und im Buwe (Bau), in Licht und in Dach und Gemach wohl gehalten, also dass es gott loblich sin und allen nutzlich und ehrlich und der Sellen Heil die ihr Stüre und Hülf oder Gottsgoben daran gebet, oder geben haben, si sind tod oder lebendig und auch Insonderheit, die in künftigen Ziten damit umgehn und Müg (Mühe) und Arbeit haben werden.“

Darnach wird bestimmt wie der jeweilige Obervogt auf Homburg, der Kirchherr (Pfarrer) und die ganze Gemeinde einen tüchtigen Kastvogt wählen, welcher alle Gefälle des Gotteshauses richtig einziehen, solche in das Gehalt (Geldkasten) des Gotteshauses liefern und auf St. Martinstag darüber Rechnung gebe. Der Kastvogt solle die Verwaltung sein Lebtag behalten, sofern er wohltue (sich gut halte). Der Lohn werde ihm von Gott und dn Heiligen Hussherren des Gotteshus zu Teil.

Alle Jahre soll ein neuer Kirchmeister erwählt werden, welcher die Geldzinse einziehen, dem Kastvogt zustellen, und was er versäumt aus dem Seinigen bezahlen soll.

Ferner ward verordnet, dass der Kilchherr ein treues Aussehen haben, alle Jahre die Rechnung von den Kirchmeiern im Beisein der ganzen Gemeinde abnehmen, die Verordnung ab der Kanzel verlesen, und sofort ein Gemeindsgenoss nicht erscheinen werde, er ein Pfund Wachs der Kirche zuur Busse geben soll.

Dieses alles zu halten, soll der Kastvogt und der Kirchmeister geloben und beschwören: „Dadurch sie Gotts Huld überkommen mögen und das Fürbitten und Verdienen der Mutter Gottes und aller Patronen der Kirch, das ihnen das auch möge dienen zu einem guten End und zu ewigem Frieden.“

Diese Verordnung ward beschlossen, als Junker Leonhard Jselin Vogt auf Homburg, Rudolf Brödlin Kilchherr, Hans Gysin Landvogt und Hans Müller Kichmeister war.

Darin war auch noch bemerkt, dass der Kilchherr wegen dem Zehnten des Edlen von Seevogel jährlich der Kirche ein Pfund Wachs an das Licht geben soll. Ferner habe der Kirchmeier zu den vier Hochzeiten eine Mahlzeit zu geben, und besonders darauf zu achten, dass keine Mannes- und Weibspersonen, welche nicht verehelicht sind, bei einander wohnen, denn wer solche behauset, der soll dem Gotteshause verfallen sein 5 Pfund Wachs und der Obrigkeit zu Basel 5 Pfund Geldes.

Im Bezirke des Zehntens von Läufelfingen (Wisen) hatten die Edlen Seevogel von Basel noch einen besondere Zehnten, und an diesem die Herrschaft Falkenstein den vierten Teil (Quartzehnten). Weil nun die Einkünfte der Kirche durch die Kriegszeiten, da fast alles in Brand aufgegangen, sehr abgenommen hatten, und ein Priester kaum mehr bestehen konnte, so hat dieser eifrige Leutprister Brödlin obigen Zehnten von Bernhard Seevogel, und von Solothurn, als Herr von Falkenstein, die Quart erkauft. Als aber Brödlin den Kaufschilling nicht ganz bezahlen konnte, so legte ein Herrmann Würzeler das Fehlende bei, wonach beide diesen neu erworbenen Zehnten dem jeweiligen Geistlichen zur Nutzniessund verschrieben, mir der Bedingung, das dieser in Läufelfingen haushäblich wohnen, und jährlich in der Woche St. Martinstag den Stiftern, sowie ihren Voreltern und Geschwistern eine Jaheszeit feire, wobei fünf Priester, die alle diesen Tag Messe lesen sollten, in der Kirche von anderer Lieben Frauen (Maria) Altar singen, und beider Stifter Gräber besuchten, und mit Weihwasser besprengen sollen. Die Urkunden hierüber wurden unter Bürgermeister Hans von Bärenfels im Jahre 1475 gegeben.

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

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